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Shakespeare zwischen Tradition und Moderne

Vom Entstehen und Werden eines Theaterprojektes an der Max-Planck-Schule
Bereits sieben Jahre nach William Shakespeares Tod äußert Ben Johnson, sein Dichterkollege, in einem Epitaph eine mutige Prognose:

"Not for an age, but for all time"

habe Shakespeare geschrieben. Der neueste Lehrplan für künftige Leistungskurse misst dieser Aussage wenig Bedeutung bei und tut den berühmtesten Bühnenautor aller Zeiten eher als Pflichtlektüre ab. Im Gegensatz zum Lehrplan, der für Leistungskurse im jetzigen 13. Jahrgang noch galt, wird Shakespeares Stellenwert künftig geringer sein. (Diese Veränderung greift allerdings nur für Leistungskurse, erstaunlicherweise nicht für Grundkurse.)

Können Jugendliche heute mit 400 Jahre alten Texten also nichts mehr anfangen? Reagiert die Lehrplanrevision angemessen auf die Gegebenheiten unserer Zeit? Eine schnelle Antwort auf diese Frage wäre vermessen. Zumal das Verstehen von Shakespeares Werken ohne Frage kein leichtes Unterfangen ist, allerdings in einem motivierten Leistungskurs nach wie vor kein unmögliches. Dass die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Lehrplangegenstand zu einer Hommage an den Dichter geraten ist, beweist eine Theaterproduktion des diesjährigen Abiturjahrganges (2007).

Shakespeare als Schullektüre?

Trotz der sprachlichen Hürden war der Englisch-Leistungskurs dieses Jahrgangs von Anfang an sehr aufgeschlossen für Shakespeares Epoche und Werk, das vor etwa einem Jahr zu behandeln war. Nach einiger Zeit und Arbeit und manchem Exkurs zu modernen Film- und Theaterinszenierungen entwickelte sich große Neugier für die alten, aber nach wie vor aktuellen Stoffe und Themen. So schien eine weitere Vertiefung in den Gegenstand durch ein kreatives Schreibprojekt nicht unangebracht und fand bei den Kursteilnehmern Anklang. Kleinere Gruppen sollten damit das alte Werk aus heutiger Sicht reflektieren, re-interpretieren und kreativ umsetzen in neuen selbst gestalteten Szenen oder kleinen Stücken. Die Ergebnisse zeigten, dass die Schülerinnen und Schüler ihren Zugang zu Shakespeare gefunden hatten. Die meisten Gruppen hatten viel Material gedanklich durchdrungen und hatten sehr interessante Wege der kreativen Auseinandersetzung mit Shakespeare erschlossen. Was gar nicht so verwunderlich ist, denn Shakespeares Zeit, das 16. Jahrhundert, ist zwar völlig anders als die unsrige, doch seine Themen und Gefühle, Liebe, Hass, Eifersucht, Macht, Geld etc. bewegen die Menschheit seit dieser Zeit in immer gleicher Weise.

Der Weg zur Aufführung

Nach diesen ermutigenden Resultaten riskierte ich einen weiteren Vorstoß und schlug die Inszenierung der Texte vor. Vorher hatte ich allerdings eine tatkräftige Kollegin, Frau Dr. Annette de la Motte dafür gewonnen, dieses Wagnis mit mir gemeinsam einzugehen. In einem Projektkurs, Pflichtbestandteil im Programm des Abiturjahres, sollte unser Vorhaben umgesetzt werden. Auch dieser Weg fand die volle Zustimmung des Leistungskurses und schließlich wählten zu Beginn des neuen Schuljahres 32 Abiturientinnen und Abiturienten die Theaterarbeit als Projektkurs, wohl wissend, dass ihnen viel Einsatz abverlangt würde. Gleichzeitig entschieden sie sich für bestimmte Aufgabenbereiche: Das Schreiben von weiteren Bühnentexten, das darstellende Spiel auf der Bühne, die technische Betreuung der Bühnenarbeit sowie das Management der Aufführung.

Die Schreibergruppe stürzte sich erneut in Shakespeares Werke und seine Biographie auf der Suche nach Schreibideen für weitere Szenen. Doch das Rahmengerüst, in das die einzelnen Szenen wie Mosaiksteine eingefügt werden sollten, war die Herausforderung schlechthin. Es aollte schließlich durch die gesamte Aufführung hindurchführen. Viele Pläne wurden dafür konzipiert, heiß und heftig diskutiert um doch wieder verworfen zu werden. Zum Glück entstanden nebenbei interessante Einzelszenen, deren erste Proben mit den Schauspielern zeigten, dass es sich trotz aller Schwierigkeiten lohnte, das ganze Konzept mit Elan weiterzuverfolgen, auch wenn es zwischendurch gewaltig hakte und auf der Stelle zu treten schien.

Shakespeare zwischen Tradition und Moderne

Es war einfach schön zu sehen, wie die Ideen und Figuren der Schreibergruppe auf der Bühne Gestalt und Leben annahmen. Der alternde Kommissar, der mit einer engagierten, aber völlig unerfahrenen jungen Kollegin die Morde an Romeo, Tybalt und Julia aufzuklären hat, obwohl ihm der Sinn nach anderem steht, ist tatsächlich zu einer verdrießlichen und wenig motivierten Figur geworden. Ganz so, wie sich die Autorengruppe das ursprünglich gedacht hatte. Richard III, das machtbesessene gefühlskalte Monster wird von seinen Opfern zur Rechenschaft gezogen. Macbeth boxt sich nach oben und die drei Hexen - Witches, die zu modernen Bitches mutieren - kämpfen um seine Zuneigung. Othellos Geschichte von der Tod bringenden Eifersucht wird in poetisch verdichtet von Rappern präsentiert. Hamlet wird in unsere Zeit projiziert und landet auf der Couch einer bemühten Therapeutin, die aber wenig ausrichtet und nichts verhindert. Was im "Kaufmann von Venedig" seltsam anmutet, nämlich wie ein weiser, aber doch wunderlicher Vater Vorkehrungen trifft, damit seine Tochter nach seinem Tode den richtigen Ehemann finden möge und Sein und Schein zu unterscheiden lerne, wird durch die Aktualisierung hinterfragt. Aus einer arrangierten Ehe wird ein moderner Versuch, Beziehungen anzubahnen. Die Parallele zu Shakespeare besteht dann darin, dass die heutige Portia ähnlich wie ihre Vorgängerin im Original die gesellschaftlichen Spielregeln sehr selbstbestimmt auslegt.

Das große literarische Rätsel, die Kontroverse um Shakespeares Identität und Autorenschaft, wird von den Schülerinnen und Schülern mit viel Phantasie gelöst. Die Leerstellen in seinem Leben, die sog. "Lost Years" werden gefüllt. Der Zuschauer erfährt, was sein vorübergehendes Verschwinden aus den Annalen der Zeit bedingt und dass sein Weg von Stratford on Avon nach London ein langer ereignisreicher ist. Es wird aber auch erklärt, wie Shakespeare überhaupt seine Bestimmung als Dichter erkennt. Diese (fiktiven!) Fußnoten sind, in der Tradition der Komödien Shakespeares mit viel Humor und Augenzwinkern entwickelt.

Durch das Programm des Abends führen ältere Herrschaften, die die Assoziationen-Reise durch Wills Welt als "Reiseführer" begleiten. Sie stellen Verbindungen her und sorgen für Erklärungen. Fast unmerklich werden auch ihre Charaktere dabei mit viel Witz entwickelt. Ergänzt, abgerundet und manchmal kontrapunktiert wird das Kaleidoskop durch "Interludes", gestaltet durch Klavier und Geige. Sie kommentieren und untermalen das szenische Geschehen überwiegend ausgehend von der musikalischen Sprache der Renaissance.

Shakespeare – Upside Down?

There is no Final Shakespeare (Peter Hall)

Trotzdem: Sollten Schüler so mit Klassikern umgehen? Ist es angemessen, sich in so unbekümmert frecher Manier des großen Klassikers zu bedienen, ihn als Lieferant von Assoziationen, Versatzstücken, sozusagen als Ideen-Steinbruch zu benutzen? Was würde der Meister selbst dazu sagen?

Es ist stark anzunehmen, dass er begeistert wäre angesichts seiner jungen Leser und ihres leidenschaftlichen Nachdenkens, weniger aus Stolz oder Eitelkeit, sondern ganz einfach, weil sie das tun, was er selbst zu seiner Zeit nicht anders kannte. Sie lassen sich anregen von Vorgefundenem; sie beuten Geschichten aus; sie deuten um und dichten hinzu; entwenden Ideen, Motive und Bausteine; zitieren ohne Rücksicht auf Copyright; Sie mischen Deftiges mit Lyrischem, Nachdenkliches mit Aktion; sie ergießen sich in Anspielungen und Wortwitzen - und erweisen dem Vorbild des "punny guy" die Ehre. Im Übrigen wird Shakespeares Werk seit eh und je als Fundgrube für stets neue Aktualisierungen und Adaptionen genutzt. Seiner Popularität hat das nicht geschadet. Er ist schließlich der meistgespielte Autor auf Europas Bühnen. Und wer möchte den jungen Leuten ihren Spaß ernsthaft verübeln bei den vielen Stunden, die sie beim Verfassen englischer(!) Texte und bei den Bühnen- Arrangements investieren mussten?

Die heiße Proben – und Problemphase

Nach dem schriftlichen Abitur, für dessen Vorbereitung die Theaterarbeit vorübergehend bedrohlich ins Stocken geriet, begann die ganz intensive Arbeit. Die ursprüüngliche Aufgabenteilung wurde teilweise durchbrochen. Schreiber mussten Regie und Koordinationsaufgaben übernehmen, da die Probengruppen mit dem stetig wachsenden Angebot an Texten immer vielfältiger wurden. Weil schon früh klar war, dass das Ensemble der wachsenden Zahl an Rollen nicht gerecht werden konnte, wurden zwei männliche Spieler aus dem 12. Jahrgang angeworben. Später mussten für kleinere Rollen auch Techniker oder Manager eingesetzt werden. Die Managementgruppe befasste sich mit den notwendigen Schritten für Werbung, Marketing und die organisatorische Durchführung der Vorstellungen. Die Techniker waren zunehmend mit Wünschen und Forderungen konfrontiert. Manche davon überforderten sie schlicht und einfach, denn Schultheater ist eben Theater ohne Budget. Sie mussten jede Menge Kostüme, Bühnenbild, Requisiten etc. beschaffen, den Beleuchtungsplan entwickeln und mussten sich in Auf- und Abbau beim Szenenwechsel einüben.

"Though this be madness, yet there is method in it."

Es kam schließlich Struktur ins ursprüngliche Chaos, Zuständigkeiten klärten sich, das Machbare kristallisierte sich heraus. Dennoch nahmen die Schwierigkeiten nicht ab. Lo-net, der einfache Kommunikationsweg war aus technischen Gründen nach einigen Wochen nicht mehr zu gebrauchen. Rückschläge, Probleme und vor allem Terminkollisionen, unüberwindlich scheinende Hindernisse kosteten unendlich viel Zeit. Vieles ging schief, manches aus Nachlässigkeit einzelner, manches durch Komplikationen, die durch äußere Bedingungen hervorgerufen wurden. Die Arbeitsvoraussetzungen waren teilweise erbärmlich.

Doch das Allermeiste lief gut, was der außergewöhnlichen Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit der meisten Schülerinnen und Schüler zu danken ist. In der Endphase der Arbeit bemerkte eine Schülerin – ohne zu klagen, wohlgemerkt! – dass sie nach dem schriftlichen Abitur einen Terminkalender habe, wie nie zuvor in ihrer gesamten Schulzeit. Trotzdem war bei den Kursteilnehmern wenig Stress zu verspüren. Wenn wir Lehrerinnen Bedenken wegen der davonrennenden Zeit hatten, hörten wir: "Das schaffen wir schon." Und wir waren bei diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leicht davon zu überzeugen. Und so erhielt schließlich die "Methode" die Oberhand.

Credits

Die Schülerinnen und Schüler dürfen jetzt zu Recht stolz sein auf ihre gemeinsame Leistung, auf "ihren" Shakespeare. Realistischerweise muss allerdings betont werden, dass diese Leistung nicht möglich gewesen wäre ohne die freundliche Unterstützung durch zahlreiche Helfer und Mutmacher, denen wir zu danken haben:
  • Herrn Fischer, der in der überaus heißen Endphase absolut kurzfristig und völlig unkompliziert bei der fachgerechten Herstellung von Bühnenwürfeln eingesprungen ist. Er hat einiges an Nerven gerettet!
  • Herrn Kalthoff, der die hervorragende Druckqualität unserer Plakate ermöglicht hat
  • Die Kolleginnen und Kollegen, die der hin und wieder notwendigen Beurlaubung einzelner Akteure in den letzten beiden Wochen mehr oder weniger gern zugestimmt haben
  • Walter Arnold, dem erfahrenen Theatermann, der bei Licht und Bühnenausstattung mit Rat und Tat zur Seite stand.
  • Den Theaterbühnen der Stadt Kiel, die uns mit Kostümen versorgt haben
  • Kai Kloss, der uns in der Warming-Up Phase motiviert und uns zum Schultheatertag eingeladen hat
  • Allen, die hier namentlich nicht genannt werden können.
Sybilla Thum-Rüffer

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